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Praktische Tipps

Richtiges Verhalten bei Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie

Richtiges Verhalten bei Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie

Jede Krebstherapie bringt neben der eigentlichen Wirkung auch Nebenwirkungen mit sich. Die moderne Medizin verfügt jedoch über eine ganze Reihe von Möglichkeiten, solche Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie zu verhindern oder sie zu behandeln. Für den Patienten ist es wichtig, über die Nebenwirkungen Bescheid zu wissen, damit er sie besser erkennen und unter Umständen auch vermeiden kann.


Welche unerwünschten Wirkungen können auftreten?

  • Eine Chemotherapie hat das Ziel, Krebszellen abzutöten. Da die Medikamente meist nicht nur spezifisch gegen die Krebszellen wirken, werden auch gesunde Zellen geschädigt. Ähnliches gilt für die Strahlentherapie, bei der stets gesundes Gewebe mitbestrahlt wird. Beide Formen der Krebstherapie zielen auf solche Zellen ab, die sich häufig teilen – die Krebszellen. Doch es gibt auch gesunde Zellen, die sich häufig teilen, etwa in den Schleimhäuten, im blutbildenden System oder in der Haarwurzel. Dies ist der Grund, warum gerade Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Schleimhautentzündungen, eine Abnahme der weißen Blutkörperchen und Haarausfall zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören.
  • Ob diese Nebenwirkungen auftreten und wie belastend sie sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Außerdem unterscheiden sich die Medikamente der Chemotherapie auch hinsichtlich des Auftretens von Nebenwirkungen. Hier kann der behandelnde Arzt eine individuelle Auskunft geben.
  • Für Patienten ist es wichtig, Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen, um vorbeugende Maßnahmen ergreifen zu können.
  • Jeder Patient sollte deshalb mit seinem Arzt genau besprechen, an wen er sich im Notfall wenden kann. Dies kann der betreuende Arzt selbst sein, ein auf Krebserkrankungen spezialisierter niedergelassener Arzt, eine Klinikambulanz oder die Abteilung des Krankenhauses, in der eine Behandlung des Patienten bereits erfolgt ist. Wichtig ist, die genauen Adressen und Telefonnummern griffbereit in der Schublade liegen zu haben. Als Patient sollte man sich nicht davor scheuen, im Zweifelsfall einen Arzt auch am Wochenende zu kontaktieren.

Infektionen

  • Eine Chemotherapie mit Zytostatika oder auch eine Bestrahlung können das blutbildende Knochenmark schädigen. Dadurch geht die Zahl der weißen Blutkörperchen zurück, die für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind. Häufig sinkt die Zahl der weißen Blutkörperchen mit jeder neuen Gabe von Zytostatika weiter. In der Folge steigt das Risiko, sich eine Infektion durch Bakterien, Viren oder Pilze einzufangen. Daher wird der behandelnde Arzt regelmäßig das Blut und die Anzahl der weißen Blutkörperchen kontrollieren und entsprechende vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Tritt trotzdem Fieber auf, sollte man umgehend seinen Arzt informieren, damit dieser eine eventuell erforderliche Therapie einleiten kann. Je rascher die Diagnose gestellt ist, desto eher kann die Behandlung erfolgen. Das kann bei schweren Infekten sehr wichtig sein.
  • Eine intakte Haut und Schleimhaut verhindern wirkungsvoll das Eindringen von Krankheitserregern, Schmutz und anderen Fremdkörpern. Daher sind eine sorgfältige Mundpflege mit Mundspülungen, gewissenhafte Hautpflege u. a. unbedingt ratsam, um das Risiko von Infektionen so gering wie möglich zu halten. Kontakte zu Haustieren sollten während der Therapie vermieden werden. Ebenso sollten Patienten im Herbst und Winter Menschenansammlungen wie beispielsweise in der Straßenbahn oder im Kino umgehen, um sich nicht unnötig einem Infektionsrisiko auszusetzen.

Übelkeit, Erbrechen und Durchfall

  • Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie kann durch zusätzliche Medikamente – sogenannte Antiemetika – relativ gut verhindert oder zumindest deutlich abgemildert werden.  Es gibt verschiedene Formen des Erbrechens, die  zum Teil erst Tage nach der Chemotherapie auftreten. Der Arzt wird eine entsprechende Wirksubstanz auswählen. Eine frühzeitige Therapie ist am erfolgreichsten.
  • Kommt es in seltenen Fällen trotzdem zu starkem und häufigem Erbrechen, besteht die Gefahr, viel Flüssigkeit zu verlieren. Daher sollten die Betroffenen unbedingt viel trinken. Unter Umständen muss dann eine vorübergehende Flüssigkeitszufuhr mittels Infusionen erfolgen. Gleiches gilt bei starkem Durchfall. Auch hier kann viel Flüssigkeit verloren werden. In einem solchen Fall sollte der Arzt verständigt werden. Eine starke Austrocknung lässt sich feststellen, indem am Handrücken eine Hautfalte hochgezogen wird. Bleibt diese Hautfalte nach dem Loslassen stehen, ist das ein Alarmsignal für eine Austrocknung.
  • Neben dem Erbrechen selbst macht manchen Patienten bereits die Angst vor dem Erbrechen zu schaffen. Diese Angst kann schon den nächsten Brechanfall auslösen. Für die Betroffenen ist dies mitunter sehr belastend. Hier können Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga und eventuell auch angstlösende Medikamente helfen.

Mundschleimhautentzündung

  • Bei einer Bestrahlung im Kopfbereich oder auch bei bestimmten Chemotherapien kann es leicht zu sehr schmerzhaften Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut mit Bläschen und wunden Stellen kommen. Meist sind diese Probleme gering, können in seltenen Fällen aber auch sehr belastend sein. Solche Verletzungen sollten immer dem Arzt gezeigt werden, denn sie können leicht der Ausgangspunkt für eine weitere Infektion werden, die einer entsprechenden Behandlung bedarf. Um die Beschwerden möglichst gering zu halten, sind weiche und cremige Speisen wie Joghurt, Cremesuppen oder Püree empfehlenswert. Verzichten sollten Patienten hingegen auf kohlensäurehaltige Getränke, Zitrusfrüchte, Ananas, Tomaten, Gurken, Kaffee, schwarzen Tee und Speisen mit hohem Säureanteil. Wohltuend sind kühle Speisen und Getränke, daher sollten auch die Mahlzeiten nicht zu warm gegessen werden.
  • Zur Vorbeugung von Schleimhautentzündungen hilft eine gründliche Mundpflege. Dabei ist eine weiche Zahnbürste und milde Zahnpasta zu empfehlen. Mundspülungen mit Salbei und Kamille wirken unterstützend und sind wohltuend. Zahnprothesen müssen regelmäßig desinfiziert werden. Mitunter wird der Arzt auch empfehlen, eine Zahnprothese nachts nicht zu tragen.

Patienten sollten über mögliche Nebenwirkungen einer Krebstherapie gut Bescheid wissen, sodass sie entsprechend vorbeugen können. Wichtig ist es, bei den ersten Anzeichen von schweren Nebenwirkungen den Arzt zu verständigen, damit dieser rasch eine wirksame Therapie einleiten kann.

Stand 08.2010

Publikationsdatum:   14.03.11
Datum geändert:  16.05.11
 
 

Wir über uns

Priv. Doz. Dr. med. Hans Jörg Stürenburg, Privatambulanz Neurologie Chefarzt

Neurologie

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