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Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Bei den meisten Betroffenen ist der Funktionsverlust unmittelbar nach einem ischämischen Schlaganfall am stärksten ausgeprägt. In rund zehn bis 15 Prozent aller Fälle handelt es sich um einen Schlaganfall, der erst nach ein bis zwei Tagen die größten Funktionsverluste bewirkt. Bei Menschen mit einem hämorrhagischen Schlaganfall kommt es in der Regel zu einem allmählichen Funktionsverlust, der sich über Minuten bis Stunden hinzieht.


Ein Teil der Funktionen kehrt gewöhnlich im Verlauf von Tagen bis Monaten zurück, da zwar einige Gehirnzellen absterben, andere aber nur verletzt sind und sich wieder erholen können. Überdies können andere Hirnbereiche die Funktionen des zuvor geschädigten Bereichs übernehmen. Die Früheffekte eines Schlaganfalls, zu denen auch Lähmungen gehören, können jedoch bestehen bleiben. Die Muskeln können auf Dauer steif bleiben, und es kann zu schmerzhaften Muskelkrämpfen kommen. Laufen, Schlucken, deutliches Sprechen und die Bewältigung des Alltags bleiben unter Umständen schwierig. Auch Probleme mit Gedächtnis, Denken, Aufmerksamkeit und Lernen können bestehen bleiben. Der Betroffene ist möglicherweise nicht in der Lage, Teile seines Körpers wiederzuerkennen und ist sich der Auswirkungen des Schlaganfalls vielleicht nicht bewusst. Unter Umständen kann er seine Emotionen nicht mehr kontrollieren und fühlt sich depressiv. Das periphere Gesichtsfeld kann eingeschränkt sein und das Hörvermögen teilweise verloren gehen. Benommenheit und Schwindel können zum Dauerproblem werden. Die Blasen- und Darmkontrolle kann dauerhaft beeinträchtigt sein.


Bestimmte Merkmale eines Schlaganfalls deuten darauf hin, dass die Genesungschancen schlecht sind. Wenn Bewusstlosigkeit auftritt oder große Teile der linken Hirnhemisphäre betroffen sind (die für die Sprache verantwortlich ist), handelt es sich um einen schweren Schlaganfall. Neurologische Ausfälle, die bei Erwachsenen nach sechs Monaten noch bestehen, sind höchstwahrscheinlich nicht mehr rückgängig zu machen. Ältere Menschen tun sich mit der Rehabilitation meist schwerer als jüngere. Auch Patienten mit weiteren ernsten gesundheitlichen Störungen erholen sich schlechter.


Bei einem nicht allzu schweren hämorrhagischen Schlaganfall, bei dem der Druck im Gehirn nicht sehr hoch ist, ist die Prognose relativ gut. Blut schädigt das Hirngewebe nicht so stark wie die mangelnde Sauerstoffversorgung bei einem ischämischen Schlaganfall. Patienten, die einen blutigen (hämorrhagischen) Schlaganfall erlitten haben, können bei ihrer Wiederherstellung monatelang, wenn nicht jahrelang Fortschritte machen.

Nachbehandlung ist Vorbeugung

Nach einem Schlaganfall ist die Vorbeugung vor einem erneuten Schlaganfall sehr wichtig. Die wichtigste Schlaganfallvorbeugung besteht darin, Risikofaktoren zu verringern. Bluthochdruck und Diabetes sollten optimal eingestellt und ein zu hoher Cholesterinspiegel gesenkt werden, um das Arterioskleroserisiko zu verringern. Unerlässlich ist es zudem, mit dem Rauchen aufzuhören. Alkohol sollte nur in Maßen konsumiert werden, regelmäßige Bewegung und wenn erforderlich eine Gewichtsreduktion gehören ebenfalls zur Vorbeugung.


Medikamente können die Neigung zu Blutgerinnseln - ein wichtiger Auslöser von Schlaganfällen und Herzinfarkt - reduzieren. Dafür wird Azetylsalizylsäure (ASS) meist in einer Dosis von 100 Milligramm täglich eingesetzt. Eine andere Möglichkeit sind Ticlopidin und Clopidogrel. Patienten, die TIAs oder Schlaganfälle aufgrund von Blutgerinnseln im Herzen hatten, bekommen häufig das Blutgerinnungsmittel Phenprocoumon verordnet.

Rehabilitation

Intensive Rehabilitationsmaßnahmen helfen, die Funktionseinschränkungen zu überwinden. Durch Übungen werden Gehirnbereiche darauf trainiert, andere Funktionen zu übernehmen. Beispielsweise lernt der Betroffene, durch den Schlaganfall nicht beeinträchtigte Muskeln einzusetzen, um Funktionsverluste auszugleichen.


Ziel der Rehabilitation ist es, so viele normale Funktionen zurückzugewinnen wie möglich, den körperlichen Zustand zu erhalten bzw. zu verbessern sowie den Patienten zu helfen, alte Fähigkeiten wiederzuerlernen bzw. falls nötig, neue hinzuzulernen. Der Erfolg hängt von dem geschädigten Gehirnbereich und dem körperlichen Allgemeinzustand des Patienten ab, von seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten vor dem Schlaganfall, seiner sozialen Situation sowie seiner Lernfähigkeit und Haltung. Geduld und Ausdauer sind dabei entscheidend.


Die Rehabilitation sollte schon im Krankenhaus beginnen, sobald der Patient körperlich dazu in der Lage ist – gewöhnlich ein bis zwei Tage nach der Einlieferung. Nach Entlassung aus dem Krankenhaus ist in den meisten Fällen ein stationärer Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik oder eine ambulante Behandlung in einem Rehabilitationszentrum oder zu Hause sinnvoll. Beschäftigungstherapeuten und Krankengymnasten helfen den Betroffenen, sich das Alltagsleben zu erleichtern und ihre Umgebungsbedingungen sicher zu gestalten.


Familienmitglieder und Freunde können zur Rehabilitation eines Patienten beitragen, indem sie sich stets daran erinnern, welche Auswirkungen ein Schlaganfall haben kann, sodass sie den Betroffenen besser verstehen und unterstützen können. Selbsthilfegruppen für Schlaganfallpatienten und für diejenigen, die sie pflegen, können eine Hilfe sein.

Publikationsdatum:   04.09.11
Datum geändert:  19.04.11
 
 

Wir über uns

Priv. Doz. Dr. med. Hans Jörg Stürenburg, Privatambulanz Neurologie Chefarzt

Neurologie

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