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Schwindel

Schwindel

Unter Schwindel (Vertigo) versteht man den fälschlichen Eindruck, man selbst oder Dinge in der Umgebung würden sich bewegen oder drehen, wobei gewöhnlich gleichzeitig Übelkeit und Gleichgewichtsstörungen auftreten.


Schwindel ist vergleichbar mit dem Gefühl, das ein Kinderspiel auslöst: Man dreht sich eine Weile recht schnell, bleibt dann plötzlich stehen und sieht, wie sich die Umgebung um einen dreht

Ursachen

Schwindel kann auf Störungen beruhen, die das Innenohr (einschließlich der Bogengänge) betreffen. Das Innenohr befähigt den Körper, seine Lage im Raum wahrzunehmen und das Gleichgewicht zu halten. Der Schwindel kann auch von Störungen ausgelöst werden, die den Hörnerv (Hirnnerv VIII) betreffen, der das Innenohr mit dem Gehirn verbindet. Auch im Hirnstamm oder Kleinhirn, die ebenfalls zur Gleichgewichtskontrolle beitragen, kann die Ursache liegen.


Am häufigsten tritt Schwindel im Rahmen einer Reisekrankheit auf. Reisekrank können Menschen werden, deren Innenohr empfindlich auf bestimmte Bewegungen wie Schaukeln oder plötzliches Stoppen und Starten reagiert.


Eine weitere häufige Ursache für Schwindel sind Kalziumablagerungen in den Bogengängen des Innenohrs. Die daraus resultierende Störung – gutartiger Lagerungsschwindel – ist besonders bei älteren Menschen häufig. Sie tritt auf, wenn der Kopf in bestimmter Weise bewegt wird.


Die Menière-Krankheit, eine weitere Innenohrerkrankung, führt zu Schwindelattacken. Sie geht vermutlich zumindest teilweise auf eine Schwellung im Innenohr zurück. Ursache kann eine Virusinfektion, eine Verletzung oder eine Allergie sein. Häufig ist die Ursache der Menière-Krankheit jedoch unbekannt.


Andere Störungen, die Schwindel hervorrufen, sind bakterielle und virale Infektionen (wie virale Labyrinthitis, Herpes zoster und Mastoiditis), Paget-Krankheit, Tumoren und Nervenentzündungen. Auch Medikamente können das Innenohr schädigen. Hierzu gehören Aminoglykosid- Antibiotika, Azetylsalizylsäure, das in der Chemotherapie eingesetzte Medikament Cisplatin sowie gewisse Entwässerungsmittel, wie Furosemid.


Weitere Medikamente sind auch die Epilepsiemittel Phenobarbital und Phenytoin und das Neuroleptikum Chlorpromazin. Auch übermäßiger Alkoholkonsum kann vorübergehend zu Schwindel führen.


Eine transitorische ischämische Attacke führt häufig zu Schwindel, wenn die Durchblutung von Hirnstamm, Kleinhirn und hinterem Hirnbereich verringert ist (vertebrobasiläre Durchblutungsstörung). Zu den betroffenen Arterien gehören die Wirbelarterien und die Arteria basilaris. Seltener wird Schwindel durch Gehirnerkrankungen hervorgerufen, die den Hirnstamm oder das Kleinhirn betreffen. Dazu gehören Multiple Sklerose, Schädelbrüche, Krampfanfälle, Infektionen und Tumoren (vor allem solche, die an oder in der Nähe der Hirnbasis wachsen).


Gelegentlich wird Schwindel von Störungen hervorgerufen, die plötzlich den Schädelinnendruck erhöhen und so auf das Gehirn drücken. Dazu gehören der gutartige intrakraniale Bluthochdruck (Pseudotumor cerebri), Hirntumoren und Blutungen im Schädelraum.


Schwindel kann auch durch eine Schädigung der Halsnerven hervorgerufen werden. In diesem Fall kann das Gehirn die relative Lage von Hals und Rumpf nicht mehr richtig kontrollieren (zervikaler Schwindel). Schleudertraumen der Halswirbelsäule, stumpfe Kopfverletzungen und eine schwere Arthrose der Halswirbel (zervikale Spondylose) können ebenfalls zu Schwindel führen.

Symptome

Typisch für Schwindel ist das ungewöhnliche und unangenehme Gefühl, man selbst, die Umgebung oder beides drehten sich. Der daraus resultierende Gleichgewichtsverlust erschwert das Gehen und Fahren. Während eines Schwindelanfalls kommt es wiederholt zu Augenzittern (Nystagmus). Dieses Symptom geht häufig einher mit Übelkeit und Erbrechen.


Das Schwindelgefühl kann nur wenige Augenblicke dauern oder stunden- und sogar tagelang anhalten. Manchen Betroffenen geht es besser, wenn sie ruhig liegen. Der Schwindel kann aber auch dann andauern, wenn sich jemand gar nicht bewegt.


Bei der Menière-Krankheit treten unvermittelt vorübergehende Schwindelanfälle sowie Ohrgeräusche, fortschreitende Schwerhörigkeit und ein Gefühl der Fülle im betroffenen Ohr auf. Die Anfälle dauern einige Minuten bis mehrere Stunden und sind oft von starker Übelkeit und Erbrechen begleitet.


Bei Menschen mit einer Virusinfektion des Innenohrs (virale Labyrinthitis) setzt der Schwindel gewöhnlich plötzlich ein und verschlimmert sich im Verlauf von Stunden. Die Übelkeit kann sehr stark sein, sodass die Betroffenen ganz still sitzen, weil jede Bewegung von Kopf und Augen Erbrechen auslöst. Die Infektion kann im Laufe einiger Tage zurückgehen, aber auch wochen- oder gar monatelang anhalten.


Schwindel aufgrund einer neurologischen Störung im Gehirn, einschließlich einer vertebrobasilären Durchblutungsstörung, kann mit Kopfschmerzen, undeutlicher Aussprache, Doppeltsehen, Muskelschwäche in einem Arm oder Bein, unkoordinierten Bewegungen und Bewusstlosigkeit einhergehen.


Schwindel aufgrund einer Störung, durch die sich der Schädelinnendruck plötzlich erhöht, kann von Symptomen wie zeitweise verschwommener Sicht und Gangunsicherheiten begleitet sein.


Zervikaler Schwindel tritt auf, wenn der Kopf gedreht wird, besonders dann, wenn das Kinn auf die Schulter gelegt wird. Die Beweglichkeit des Halses kann eingeschränkt sein.

Diagnose

Der Arzt fordert den Patienten auf, seine Symptome und die näheren Umstände genau zu beschreiben. Gleichgewichtssinn und Gehör werden getestet.


Auch die Augenbewegungen des Patienten können dem Arzt wichtige Hinweise liefern. Auffällige Augenbewegungen wie Augenzittern (Nystagmus), deuten auf eine mögliche Fehlfunktion des Innenohrs oder der Nervenbahnen zum Gehirn hin. Da die Richtung der Augenbewegung für die Diagnose von Bedeutung sein kann, versucht der Arzt unter Umständen Augenzittern auszulösen. Zuvor wird der Patient unter Umständen aufgefordert, eine Brille mit stark vergrößernden Gläsern aufzusetzen. Der Arzt kann die Augen des Patienten durch die dicken Linsen sehr gut sehen, während der Patient nur verschwommen sieht und kein Objekt fixieren kann. Das Fixieren eines unbewegten Objektes kann das Auftreten von Augenzittern verhindern. Während der Arzt den Nystagmus auslöst, können die Augenbewegungen mit Elektroden (kleinen runden Sensoren, die auf die Haut geklebt werden) rund um die Augen aufgezeichnet werden (Elektromyographie).


Um einen Nystagmus auszulösen, kann der Arzt dem Patienten einige Tropfen kaltes Wasser in den Gehörgang tröpfeln, seinen Kopf 20 Sekunden lang rasch hin- und herbewegen oder die Position des Kopfes verändern.


Bei Verdacht auf zervikalen Schwindel trägt der Patient eine spezielle Brille und sitzt auf einem Drehstuhl. Der Arzt hält den Kopf des Patienten still, während sich dieser von rechts nach links dreht. Kommt es zu Nystagmus und Schwindel, bestätigt sich die Diagnose.


Mit einer Computer- (CT) oder Kernspintomographie (NMR) des Kopfes lassen sich einige der Störungen entdecken, die Schwindel hervorrufen können, so z. B. Knochendefekte wie eine Infektion des Knochens hinter dem Ohr, ein Schädelbasisbruch, Knochenerosionen aufgrund eines Tumors oder eine ungewöhnliche Knochenbildung, wie sie bei der Paget-Krankheit vorkommt. Die NMR liefert bessere Aufnahmen von Hirnstamm und Hirnnerven als die CT.
Wird eine Ohrinfektion vermutet, wird mit einem Wattestäbchen oder einer Kanüle eine Eiter- oder Flüssigkeitsprobe aus dem Ohr entnommen. Besteht Verdacht auf Multiple Sklerose oder eine Hirninfektion, entnimmt man bei einer Lumbalpunktion eine Probe der Gehirn-Rückenmark Flüssigkeit. Vermutet der Arzt, dass das Gehirn unzureichend durchblutet ist, veranlasst er möglicherweise eine Angiographie, eine Magnetresonanzangiographie oder eine Dopplersonographie.

Vorbeugung und Behandlung

Bei Schwindel, der durch Reisekrankheit ausgelöst wird, kann man entsprechende Situationen wie ein schlingerndes Boot meiden oder die Augen auf ein unbewegtes Objekt richten.


Zu den Medikamenten, die Schwindel und die damit einhergehende Übelkeit lindern, gehören Dimenhydrinat, Diphenhydramin, Hydroxyzin und Meclozin. Skopolamin hilft besonders gut bei Reisekrankheit und kann in Form eines Pflasters, das mehrere Tage wirkt, hinter das Ohr geklebt werden. All diese Medikamente sind Antihistaminika. Sie können unter anderem Mundtrockenheit hervorrufen und schläfrig machen, vor allem ältere Menschen. Bei dem Skopolaminpflaster sind Schläfrigkeit und andere Nebenwirkungen recht gering.


Wenn der Schwindel stark ist und Angstgefühle hervorruft, können Beruhigungsmittel nötig werden. Meist werden Benzodiazepine wie Diazepam verschrieben, bei älteren Menschen häufiger auch Alprazolam und Lorazepam, weil sie kürzer wirken.


Bei zervikalem Schwindel kann ein Halskragen, der einige Stunden am Tag getragen wird, hilfreich sein. Physiotherapie kann die Halsbeweglichkeit verbessern.


Ist eine virale Labyrinthitis die Ursache, können Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine und Medikamente, die Schwindel, Übelkeit und Erbrechen lindern, von Nutzen sein. Wenn der Schwindel die Bewältigung des Alltags beeinträchtigt wie es manchmal bei der Menière-Krankheit der Fall ist, kann dem Betroffenen zu einer Operation geraten werden.


Liegt eine andere Erkrankung zu Grunde, so muss diese behandelt werden.

Publikationsdatum:   11.03.11
Datum geändert:  17.05.11
 
 

Wir über uns

Priv. Doz. Dr. med. Hans Jörg Stürenburg, Privatambulanz Neurologie Chefarzt

Neurologie

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