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Was ist Morbus Bechterew?

Was ist Morbus Bechterew?

Morbus Bechterew ist eine entzündliche Erkrankung, die vorwiegend die Wirbelsäule betrifft. Sie kann aber auch alle anderen Gelenke des Körpers sowie innere Organe befallen. Morbus Bechterew verläuft chronisch, das heißt langsam fortschreitend. Um die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten und den Schmerz in Schach zu halten, gehört regelmäßige Gymnastik zu den wichtigsten therapeutischen Maßnahmen.


Wie macht sich ein Morbus Bechterew bemerkbar?

  • Morbus Bechterew (der Arzt spricht auch von ankylosierender Spondylitis) ist eine entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule, die langsam fortschreitend zu deren Versteifung führen kann.
  • Typischerweise klagen die Patienten bereits seit mehreren Monaten über tief sitzende Rückenschmerzen, die schleichend begonnen haben und sich bei Bewegung bessern. Häufig wachen die Patienten in der zweiten Nachthälfte wegen Rückenschmerzen auf, morgens fühlen sie sich länger als 30 Minuten steif und unbeweglich. Dazu kommt oftmals ein wechselnder Gesäßschmerz.
  • Neben der Wirbelsäule können auch einzelne andere Gelenke wie Knie- oder Hüftgelenk von der Entzündung betroffen sein, sodass sie sich nicht mehr frei bewegen lassen. Typisch ist auch eine Entzündung der Gelenke, die das Kreuzbein der Wirbelsäule mit dem Darmbein des Beckens verbinden. Auch die Sehnenansätze, beispielsweise an der Ferse, können betroffen sein. Eine Entzündung der Sehnenansätze äußert sich mit Schmerzen der betroffenen Region, also beispielsweise mit Fersenschmerzen.
  • Bei etwa jedem dritten Erkrankten kommt es ein- oder mehrmals im Leben zusätzlich zu einer Entzündung der Regenbogenhaut am Auge. Das Auge schmerzt dann, ist druckempfindlich und gerötet. Im Spätstadium der Erkrankung können mitunter auch innere Organe wie Lunge, Herz oder Nieren betroffen sein.

Wie verläuft ein Morbus Bechterew?

  • In der Regel tritt Morbus Bechterew erstmals zwischen dem 20. und dem 35. Lebensjahr auf. Er verläuft sehr unterschiedlich. Die Erkrankung kann sowohl sehr schnell und schwer als auch eher mild verlaufen. Meist wechseln sich Entzündungsschübe mit Zeiten der Besserung ab. Bei manchen Betroffenen stehen die Schmerzen der Entzündung im Vordergrund, bei anderen der Versteifungsprozess der Wirbelsäule. Auch ist es von Patient zu Patient sehr unterschiedlich, ob neben den Wirbelsäulenbeschwerden weitere Symptome am Bewegungsapparat oder am Auge auftreten. Es können sowohl Frauen als auch Männer an Morbus Bechterew erkranken.

Tägliche Gymnastik und Physikalische Therapie

  • Um den Versteifungsprozess der Wirbelsäule zu bremsen und die Beweglichkeit der Gelenke möglichst lange zu erhalten, sollten Patienten regelmäßig eine spezielle Bechterew-Gymnastik durchführen. Diese Bewegungsübungen kann man unter Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten lernen und dann nach Möglichkeit mehrmals täglich zu Hause wiederholen. Daneben sind spezielle Bechterew-Gymnastikgruppen, die sich in jeder größeren Stadt finden, häufig eine große Unterstützung für die Betroffenen.
  • Wird die Bechterew-Gymnastik regelmäßig und gewissenhaft durchgeführt, kann eine schwerwiegende Verkrümmung der Wirbelsäule jedoch in der Regel vermieden werden.
  • Auch physikalische Maßnahmen wie Kälte und Wärme lindern die Beschwerden: Ein warmes Wannenbad, ein Heizkissen oder eine Wärmflasche fördern die Durchblutung, mildern Schmerzen und Steifheit und können leicht zu Hause angewendet werden. In der Physiotherapie werden Fangopackungen, Infrarotbestrahlung oder Elektrotherapie eingesetzt. Während der Entzündungsschübe sind auch Kälteanwendungen hilfreich, denn Kälte kann Entzündungen und Schmerzen lindern.

Medikamentöse Therapiemöglichkeiten

  • Für die Therapie des Morbus Bechterew steht eine Vielzahl verschiedener Medikamente zur Verfügung. Welches Medikament eingesetzt wird, ist abhängig vom einzelnen Patienten, von seinem Krankheitsverlauf sowie von seinem Krankheitsstadium.
  • Der Arzt wird das passende Medikament gezielt für den jeweiligen Patienten auswählen.
      • nichtsteroidale (= kortisonfreie) Antirheumatika bzw. Coxibe
      • Kortikosteroide (Kortison)
      • Salazosulfapyridin, wenn einzelne Gelenke außerhalb der Wirbelsäule betroffen sind,
      • TNF-α-Blocker

Morbus Bechterew im Spätstadium

  • Der Morbus Bechterew kann nach vielen Jahren mit Entzündungsschüben später zum Stillstand kommen.
  • Viele Patienten können ihren Beruf bis zum Erreichen der normalen Altersgrenze ausüben. Auch sind nur rund 10 % der Patienten nach 40 Jahren Krankheit auf fremde Hilfe angewiesen.
  • Die Wirbelsäule ist im Spätstadium der Erkrankung jedoch meist von einer Osteoporose (Knochenschwund) betroffen. Auch jetzt ist Gymnastik sehr wichtig, um einem weiteren Knochenverlust vorzubeugen.

Morbus Bechterew verläuft chronisch, kann aber mithilfe von Medikamenten und physikalischen Maßnahmen gut behandelt werden. Wichtig ist, dass Betroffene täglich ihre Bewegungsübungen durchführen, um einer Versteifung der Wirbelsäule vorzubeugen.

Stand: August 2012

Publikationsdatum:   12.01.13
Datum geändert:  02.10.12
 
 

Wir über uns

Priv. Doz. Dr. med. Hans Jörg Stürenburg, Privatambulanz Neurologie Chefarzt

Neurologie

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